Museum für Zivil- und Wehrtechnik
www.zivilundwehrtechnik.de // Verein für Zivil- und Wehrtechnik e.V. // Wiesenstraße 20, 97215 Uffenheim

Computerausstellung 2.0

In neuen Vitrinen und mit detaillierter Beschreibung geht die Computersammlung in das Jahr 2012. Um unseren Besuchern schon einen Vorgeschmack zu geben füllt sich auch die Computer-Kategorie im Online-Museum.

Zu dieser Gelegenheit hier noch eine Einführung: Warum Computer im Museum? Sind das nicht nur langweilige graue Kisten?

Während mechanische Rechenhilfen seit Jahrhunderten bekannt sind, stellen Computer eine eher neue Erfindung dar. Frei programmierbare, elektronische Rechenmaschinen gibt es erst seit den 1940er Jahren, ihren Weg aus den Forschungslaboren fanden sie in den 1950er Jahren und mit der Einführung transistorbasierter Schaltungen in den 1960er Jahren verdoppelte sich ihre Leistungsfähigkeit ungefähr alle 18 Monate – bis heute. Während in den 1970ern Computer in Büros selbstverständlich wurden war es die „Erfindung“ des Mikrocomputers Ende der 70er die PCs – Personal Computer – für jeden erschwinglich machten. In den letzten 30 Jahren sind Computer eine Selbstverständlichkeit geworden, neben dem klassischen PC sind Spielkonsolen, Handys, selbst viele moderne Fernseher übliche Erscheinungsformen. Die Ursprünge dieser Technik und ihre rasante Entwicklung sind dem heutigen Nutzer meist nicht bekannt.
An diesem Punkt möchte der Computerteil der Ausstellung ansetzen und einen Einblick in die Geschichte der Technik, der Hersteller und deren Produkte geben. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Mikrocomputern, eine Rechnerklasse die Mitte der 1970er entstand und ihre älteren Geschwister, die Mainframes und Minicomputer mittlerweile fast vollständig ersetzt hat. Das wesentliche Merkmal eines Mikrocomputers ist sein „Herz“, der Mikroprozessor, ein einzelnes Bauelement auf dem die komplette Programmlogik ausgeführt wird. Diese Technologie steckt heute in fast allen Computern, vom Handy bis zum Google-Servercluster. In unserer Ausstellung sind hauptsächlich Geräte aus den Klassen „Personal Computer“, „Workstation“ und „Server“ zu finden.

Personal Computer
Aktuell basieren mehr als 90% aller verkaufen PCs auf der 1981 vom IBM PC verwendeten CPU-Architektur von Intel, selbst Apple Computer unterscheiden sich nur noch durch das Betriebssystem. Die ersten millionenfach verkauften Personal Computer Tandy TRS80, Commodore PET und Apple II von 1977 dagegen basierten auf Mikroprozessoren von Zilog (Z80) oder MOS Technology (6502). Bis in die 1990er Jahre hielten sich alternative Architekturen in Konkurrenz zum „Wintel“ Imperium (Windows von Microsoft und Intel 8086 kompatible Prozessoren). Die bekanntesten davon sind Apple Macintosh, Atari ST und Commodore Amiga – alle anfangs basierend auf Motorola 68000 kompatiblen Prozessoren. In der Ausstellung sind verschiedene Generationen von Apple und Atari Geräten mit Peripherie vorhanden.

Workstation
Während der Begriff PC allgemein geläufig ist können sich nur wenige etwas unter einer „Workstation“ vorstellen. Diese Klasse von Mikrocomputern entstand Anfang der 1980er Jahre um Ingenieure und Techniker bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Übliche Anwendungen sind z.B. CAD (Computer Aided Design), Programmieren und Simulationen. Großer Wert wird bei diesen Systemen auch auf "RAS" gelegt (Reliability, Availability, Servicability - Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit, Wartbarkeit). Da diese Systeme von teuren Spezialisten mit hohen Stundensätzen benutzt werden die oft an zeitkritischen Aufgaben arbeiten sind die Kosten bei einem Ausfall des Systems viel höher als bei einem PC. Der für RAS betriebene Aufwand macht Workstations um bis zu 10x so teuer wie typische PCs, dennoch lohnt sich die Investition im Arbeitsalltag schnell. Aufgrund des hohen Preises sind Verbreitung und gebaute Stückzahlen gering, was diese Rechnerklasse für Sammler interessant macht - neben der Tatsache dass Workstations oft die leistungsfähigsten und modernsten Techniken ihrer Zeit verwenden und hervorragend verarbeitet sind, und somit oft noch nach Jahrzehnten funktionieren.
Da die Leistungsfähigkeit der typischen PC-Mikroprozessoren für Workstations oft nicht ausreichte wurden dafür eigene Architekturen entwickelt, die in den 1990er Jahren relevanten waren SPARC von Sun Microsystems, PA-RISC von HP, MIPS von Silicon Graphics und Alpha von DEC. Obwohl erst spät Workstations mit Intel-kompatiblen CPUs entwickelt wurden haben diese heute die anderen Architekturen verdrängt. Ausgestellt sind Rechner von Sun, HP und DEC.

Server
Früher die Domäne von Mainframes dominieren auch in diesem Marktsegment heute Computer auf Basis von Intel-kompatiblen CPUs. Als alternative Architektur haben nur SUN Sparc und IBM Power heute noch Bedeutung. Für Server gilt ähnliches wie für Workstations: Leistungsfähigkeit und RAS sind wichtiger als ein niedriger Kaufpreis. Daher sind auch Server langlebiger und zuverlässiger als typische PCs - und in der Anschaffung teurer. Sie finden bei uns Systeme von SUN, Compaq und NCR. NCR (National Cash Register Corporation) vermarktet seine Geräte hauptsächlich im Finanzbereich, z.B. bei Banken.

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